Ausschreibungen

Ausschreibungslexikon

Definition von Begriffen, die in Ausschreibungen oft vorkommen

Ausschreibung
Bekanntgabe des Gegenstands und der Bedingungen einer beabsichtigten Beschaffung von Sachgütern oder Dienstleistungen mit der Aufforderung, Angebote abzugeben. Die Ausschreibung wird vor allem bei der Vergabe öffentlicher Aufträge durch Behörden angewendet (Gegensatz: freihändige Vergabe). Bei der öffentlichen Ausschreibung wird die Aufforderung zur Angebotsabgabe öffentlich bekannt gemacht, so dass sich jeder Lieferant um den Auftrag bewerben kann; bei der beschränkten Ausschreibung geht die Aufforderung nur einem beschränkten Kreis von Lieferanten zu.
Anbieter/Bieter
Wirtschaftsteilnehmer, die am Vergabeverfahren teilnehmen und Angebote abgeben.
Angebot
Der erklärte Wille des Bieters, eine Leistung zu erbringen. Im Rahmen von Vergabeverfahren unterbreiten Bieter mit ihrem Angebot dem öffentlichen Auftraggeber Leistungen mit Preisen zu definierten Bedingungen. Das Angebot muss die formellen Anforderungen des öffentlichen Auftraggebers erfüllen und die geforderten Erklärungen und Nachweise (beispielsweise Qualitätszertifikate) beinhalten.
Angebotsabgabe
Festlegung, in welcher Form Angebote abzugeben sind. Insbesondere bei europaweiten Vergabeverfahren hat der Auftraggeber ein Wahlrecht zwischen der Zulassung ausschliesslich schriftlicher Angebote in Papierform, die auf dem Postweg übermittelt werden und der elektronischen Angebotsabgabe. Bei jeder Übermittlung muss der Geheimwettbewerb gewahrt werden, sei es z.B. durch Abgabe in einem verschlossenen Umschlag oder in verschlüsselter Form. Der Auftraggeber legt auch fest, ob eine rechtsverbindliche Unterschrift erforderlich ist. Nach Angebotsabgabe ist eine Änderungen oder Rücknahme der Angebote nicht möglich. Der Auftraggeber kann durch Zuschlagserteilung in der Bindefrist den Vertragsschluss herbeiführen.
Angebotsfrist
Die Zeit, die der Bieter zur Anfertigung und Einreichung des Angebotes zur Verfügung hat. Sie beträgt bspw. bei dem offenen Vergabeverfahren regelmäßig zumindest 52 Tage, gerechnet vom Tag des Absendens der Bekanntmachung an bis zum Angebotseingang beim Auftraggeber.
Auftrag
In der Beschaffung ist ein öffentlicher Auftrag ein entgeltlicher Vertrag eines öffentlichen Auftraggebers mit einem Wirtschaftsteilnehmer über Liefer-, Bau- oder Dienstleistungen.
Bekanntmachung
Öffentlich zugängliche Information über Vergabeverfahren. In einigen Vergabeverfahren sind bereits unverbindliche Vorinformationen über zukünftig geplante Vergabeverfahren bekannt zu machen. Dann sind Ausschreibungen, Teilnahmewettbewerbe und häufig auch Vergabeverfahrensergebnisse bekannt zu machen. Dies erfolgt durch Internetportale, amtliche Veröffentlichungsblätter, im Einzelfall auch durch Fach- oder Tageszeitungen. Hiermit soll eine möglichst große Zahl von potenziellen Bewerbern und Bietern Kenntnis über Aufträge erlangen und sich am Verfahren beteiligen.
Bedarfsträger
Behörden oder sonstige Institutionen, die registrieren, dass sie Bau-, Liefer- oder Dienstleistungen von Unternehmen benötigen.
Beschaffungsaufträge
Bedarfsträger, die ihren Bedarf nicht selbst durch Vergabeverfahren decken, sondern sich einer anderen Behörde zur Bedarfsdeckung bedienen, senden dieser einen Beschaffungsauftrag. So kann beispielsweise die Bundespolizei das Beschaffungsamt gemäß den Richtlinien für Beschaffungsverfahren beauftragen, einen Wasserwerfer zu kaufen.
Bieterinformation vor Zuschlagserteilung
Bevor der öffentliche Auftraggeber das Angebot eines Bieters annimmt, benachrichtigt er nichtberücksichtigte Bieter über seine Vergabeabsicht.
Bindefrist
der Zeitraum, in dem der Bieter an sein Angebot gebunden ist. Sie beginnt mit dem Ablauf der Angebotsfrist. Das Ende der Bindefrist ist in der Bekanntmachung angegeben.
Eignung
Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Bieters in Bezug auf die zu erbringende Leistung. Der öffentliche Auftraggeber kann zum Nachweis der Eignung Unterlagen und Angaben fordern (beispielsweise Firmendarstellung oder Informationen zur Mitarbeiterqualifikation), soweit es durch den Gegenstand des Auftrags gerechtfertigt ist.
Fachkunde
Erforderliche Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten für die Ausführung der zu vergebenden Leistung.
Leistungsfähigkeit
Erforderliche personelle, kaufmännische, technische und finanzielle Mittel, um den Auftrag einwandfrei und fristgerecht auszuführen.
Lose
voneinander getrennt zu vergebende Leistungsteile. Die Aufteilung kann entweder nach Art oder nach Umfang der Ausschreibung erfolgen, so dass kleinere und spezialisierte Unternehmen eine bessere Möglichkeit haben, am Verfahren teilzunehmen.
Nebenangebot
Angebot einer Leistungsausführung, deren Art von den anfangs vorgesehenen Ausschreibungsbedingungen abweicht. Falls Nebenangebote und Änderungsvorschläge in der Bekanntmachung ausgeschlossen worden sind, kann der öffentliche Auftraggeber sie nicht berücksichtigen.
Öffentlicher Auftraggeber
dem Vergaberecht unterliegendes Rechtssubjekt, wie z. B. Bund, Länder und Gemeinden; im Einzelfall aber auch juristische Personen des Privatrechts. Genaue Definition siehe § 98 GWB.
Schwellenwerte
Geschätzte Auftragswerte, ab deren Erreichen man die europäischen Vergaberegelungen anwenden muss. Welcher Schwellenwert einschlägig ist, hängt von der Art des Auftraggebers bzw. von der Art des Auftrags ab. Nach der durchschnittlichen Wertentwicklung der unterschiedlichen Währungen gibt die EU alle 2 Jahre die aktuellen Schwellenwerte bekannt.
TED (Tenders Electronic Daily)
Bekanntmachungsplattform der Europäischen Union im Internet zur Veröffentlichung von Ausschreibungen der EU (ted.europa.eu).
Teilnahmewettbewerb
Reduzierung der Bieter, die anschliessend zur Angebotsabgabe aufgefordert werden. Der Auftraggeber prüft die Fachkunde, Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Gesetzestreue der Bewerber. Dies entspricht der Eignungsprüfung im einstufigen Verfahren.
Vergabearten
Vergabearten nach den Vorschriften der Vergabeordnungen:
Offenes Verfahren bzw. Öffentliche Ausschreibung
Alle Unternehmen können in diesen formstrengen Verfahren Angebote abgeben und somit am Wettbewerb teilnehmen. Diese Verfahren stellen die Vergabearten mit dem größtmöglichen Wettbewerb dar.
Nichtoffenes Verfahren bzw. Beschränkte Ausschreibung mit Teilnahmewettbewerb
Die Anzahl der Bieter wird durch eine Vorauswahl des Auftraggebers (Teilnahmewettbewerb) begrenzt. Der Teilnahmewettbewerb wird öffentlich bekannt gegeben. Alle interessierten Unternehmen können Teilnahmeanträge stellen. Die aufgrund ihrer Eignung ausgewählten Anbieter werden dann zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert. Beschränkte Ausschreibungen können auch ohne Teilnahmewettbewerb durchgeführt werden.
Verhandlungsverfahren bzw. Freihändige Vergabe (jeweils mit und ohne Teilnahmewettbewerb)
Der öffentliche Auftraggeber fordert Unternehmen evtl. nach einem Teilnahmewettbewerb zur Abgabe von Angeboten auf, wobei er nur eingeschränkt an formelle Vorschriften gebunden ist. Er verhandelt mit Bietern über Inhalt und Preise ihrer Angebote. Auch bei dieser Vergabeart sollte weitestmöglich ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Bietern stattfinden.
Vergabeunterlagen
Alle Unterlagen, die an Bieter im Rahmen der Angebotsaufforderung übersandt werden. Dies sind in der Regel das Anschreiben mit Aufforderung zur Angebotsabgabe, die Beschreibung von Einzelheiten zur Durchführung des Vergabeverfahrens (Bewerbungsbedingungen) und die Vertragsunterlagen, die aus der Leistungsbeschreibung des ausgeschriebenen Produktes oder der Dienstleistung und den Vertragsbedingungen bestehen.
VOB
Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen
VOF
Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen
VOL: Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen
VOL/A
VOL Teil A - Allgemeine Bestimmungen für die Vergabe von Leistungen
VOL/B
VOL Teil B - Allgemeine Vertragsbedingungen für die Ausführung von Leistungen
Zuschlag
Die Annahme des Angebots durch öffentliche Auftraggeber. Damit ist der Vertrag auch abgeschlossen, wenn eine spätere Beurkundung vorgesehen ist.
Zuschlagsfrist
Der Zeitraum zwischen dem Ende der Angebotsfrist und dem Zeitpunkt, bis zu dem der Zuschlag erteilt werden soll. Der Bieter ist in dieser Zeit an sein Angebot gebunden (siehe Bindefrist).
Zuverlässigkeit
Ein Unternehmen ist zuverlässig, wenn es seinen gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen ist und es keine Hinweise aus früheren Verträgen gibt, die gegen eine einwandfreie Auftragsausführung sprechen.